Eine Legende ist still und leise gegangen

Kurz vor Jahresende hat sich der Lebenskreis von Hans «Hennes» Wiehler geschlossen. Der frühere Fussballer verschied im Alter von 87 Jahren in Schaffhausen.

Hans Wiehler, von seinen Genossen früher auch Hennes genannt, war schon immer fussballverrückt. Als 20-Jähriger schaffte er es 1956 ins Fanionteam des FC Winterthur, bei dem er immerhin zu 26 Einsätzen kam. Das Toreschiessen behagte ihm in der Eulachstadt noch nicht. Dennoch nahm ihn Trainer Josef Lachermeier, als dieser auf die Saison 1958/59 nach Schaffhausen wechselte, gleich mit in die Munotstadt. Hier verweilte Hans Wiehler für sieben Spielzeiten und erlebte beim FC Schaffhausen bewegte Jahre. Hervorzuheben sind die beiden Aufstiege 1961 und 1963 in die Nationalliga A, auch wenn der Stadtclub jeweils in der Folgesaison wieder abstieg. Zwischen 1962 und 1964 erlebte der Stürmer seine persönlich stärkste Phase, als er während diesen zwei Saisons in 47 Spielen nicht weniger als 24 Meisterschaftstore erzielte und sich damit zweimal die vereinsinterne Torschützenkrone sicherte. Dank seinem Fünferpack am 16. September 1962 gegen den FC Thun gehört er mit Marcel «Mocke» Furrer und Toni Allemann zu den drei einzigen Spielern, die in der bisherigen Vereinsgeschichte jemals fünf und mehr Tore in einer Partie geschossen haben.

Internationaler Auftritt

Ein richtiger Highlight-Sommer war derjenige im Jahr 1961, nachdem die Munotstädter in jenem Frühjahr bereits das Cup-Halbfinale erreichten. Mit der kollektiven Stärke, die den FCS damals auszeichnete, mauserte sich die Mannschaft vom Abstiegskandidaten zu einem Geheimfavoriten und erreichte im Schlussspurt dieselbe Punktzahl wie die AC Bellinzona, worauf die beiden Clubs in einem Playoff den zweiten Nationalliga A-Aufsteiger ausmachen mussten. Dabei sorgten die Tessiner für einen handfesten Skandal, als nach einem aberkannten Tor einige Spieler und Fans der Granata komplett ausflippten, den Schiedsrichter ausknockten und somit den Abbruch erzwangen. Nach fünf Wochen setzte der Verband die Partie nochmals an, in welcher der FCS in Luzern Bellinzona klar mit 4:0 bezwang und aufstieg. Zugleich durfte das Team am internationalen «Coppa delle Alpi» teilnehmen, doch das Ausscheiden gegen Pro Patria bei Milano konnte auch Hans Wiehler nicht verhindern, dem zwar kein Tor gelang, der jedoch jeweils stets mitten ins Spielgeschehen integriert war.

Ausklang in Neuhausen

Mit dem Abstieg nach der Saison 1964/65 des FC Schaffhausen von der Nationalliga B in die 1. Liga, beendete auch Hans Wiehler seine bemerkenswerte Laufbahn beim Stadtclub und wechselte zum FC Neuhausen. In 153 Meisterschafts-, 17 Cup- und 2 Alpencupspielen, also insgesamt 172 Pflichtpartien während sieben Jahren, erzielte der Stürmer total 47 Tore (41 Meisterschaft, 6 Cup). Beim FC Neuhausen, der in der 2. Liga spielte, hängte Hans Wiehler noch drei weitere Jahre an, ehe er seine fussballerische Laufbahn bei den Senioren ausklingen liess. So verpasste er das Derby gegen den FC Schaffhausen, der mit dem Abstieg 1969 in die 2. Liga seine wohl schwärzeste Stunde zählte, um eine Spielzeit. Auch in beruflicher Hinsicht liess er sich von seiner Passion, dem Schreiner-Handwerk, leiten und übte diese Berufung lange aus.

Hans Wiehler verschied am 28. Dezember im Kreise seiner Familie und wurde im Waldfriedhof in aller Stille beigesetzt. Den Angehörigen und Bekannten sei herzlich kondoliert und die aufrichtige Anteilnahme zum Hinschied der Legende gewiss.

Bild: FCS Archiv (5:0-Sieg gegen Vevey im April 1963) trifft auch Hans Wiehler (r.) für den FCS. Text: Ronny Bien, FCS Chronist

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